Nein zum 12-Stundentag

ANTRAG 4

 

Nein zum 12-Stundentag

an die 167. Tagung der Vollversammlung der Kammer

für Arbeiter und Angestellte für Wien

Die 167. Tagung der Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien beschließt sich dafür einzusetzen, dass der Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz aufgefordert wird, mit allen gesetzlichen Mitteln gegen die flächendeckende Einführung eines 12-Stundentages vorzugehen. Unbenommen soll natürlich die Möglichkeit bleiben, in Ausnahmefällen die zurzeit geltende Maximalarbeitszeit von 10 Stunden zeitlich begrenzt zu überschreiten.

Begründung:

Der neue, alte Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Österreichs, Mag. Georg Kapsch hat anlässlich seiner kürzlich erfolgten Wiederwahl den 12-Stundentag zu seinem Lieblingsthema erklärt. Interviews in der Tageszeitung „Die Presse“, im „Standard“ und in den ORF Nachrichtensendungen sprechen eine deutliche Sprache. Wobei es immer wieder zu kleinen unpräzisen Variationen kommt. Sehr deutlich ist die Erklärung auf der Homepage der IV:

“Die gesetzliche Tageshöchstarbeitszeit von zehn Stunden ist nicht praktikabel und muss bei insgesamt gleichbleibender Gesamtarbeitszeit in einem ersten (!) Schritt zumindest bei Gleitzeit auf 12 Stunden Maximalarbeitszeit angehoben werden.“

„Schöne“ Zukunftsaussichten für Pendlerinnen und Pendler oder Mütter und Väter mit Kindern. Konsequent weitergedacht sind Pendler mindestens 14 Stunden in der Arbeit bzw. am Weg zur Arbeit. Müttern oder Vätern mit Kindern wird dadurch fast jede Möglichkeit genommen, sich zu Hause um ihre Kinder zu kümmern. Das wiederum kümmert den präsidialen Dienstwagen Besitzer mit Chauffeur wenig. Ehrenamtliche oder sonstige Hilfeleistungen für die Allgemeinheit oder sportlicher Ausgleich in der Freizeit bleiben auf der Strecke.

Auf eine triviale Kurzformel gebracht lautet das neue flächendeckende Arbeitsmodell des Präsidenten der IV: „ Schöpfen, schlafen, schöpfen“.

Eine Verschlechterung der Überstundensituation für Mitarbeiter ist nicht erwünscht. Solch eine Flexibilisierung raubt den Arbeitnehmern Überstundenzuschläge in der Größenordnung von etwa 20.000 Arbeitsplätzen pro Jahr. Ganz zu schweigen davon, dass man damit Erholungsphasen für Arbeitnehmer aushebelt und dies unweigerlich zu einer Steigerung psychischer und physischer Belastung führt. Burn-Out und negativer Stress sind hiermit vorprogrammiert und es werden auch massive Umstellungen im Privatleben der Mitarbeiter notwendig. Die Aufteilung der Tagesarbeitszeit muss durch ausreichende Erholungspausen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Gesundheitsvorsorge geprägt sein und dies kommt dann wieder den Unternehmern zu Gute, da erholte und gesunde Mitarbeiter auch effektivere Arbeit leisten. Daher ist solch eine Aufweichung der Arbeitszeiten ein völlig falsches Signal an die Herausforderungen der Zukunft für die „neue Arbeitswelt“ und “Industrie 4.0“.