Keine generelle Erhöhung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag für österreichische ArbeitnehmerInnen

In der Vergangenheit hat es immer wieder Vorstöße von Wirtschaftsvertretern gegeben die tägliche Normalarbeitszeit auf 12 Stunden zu erhöhen Der kürzlich wiedergewählte IV – Präsident Georg Kapsch vertritt im Standard seine Meinung mit folgenden Worten:

„Kapsch will sich für ein flexibleres Arbeitsrecht einsetzen, wobei das auch die Verlängerung einzelner Arbeitstage “in Richtung 12 Stunden” bedeute. “Das tut niemandem weh”, sagte Kapsch vor Journalisten“.

Auch wenn er dabei die Jahresarbeitszeit nicht anrühren will so spielt er damit gefährlich mit dem Privatleben der Menschen. Österreich hat bereits jetzt eine der längsten Arbeitszeiten!

Es kommt hinzu, dass er sämtliche Studien über Leistungsabfälle ab der 6. Stunde, sowie die erhöhte Unfallgefahr mit dem Spruch „Das tut niemandem weh“ kalt vom Tisch wischt. Die Impertinenz dieser Aussage ist nicht mehr zu überbieten. Er beleidigt hiermit sämtliche schwer arbeitenden Menschen, die nach 8 Stunden Arbeit ausgelaugt nach Hause kommen.
Einen 12 Stunden-Arbeitstag kann es nur als Ausnahme und in Verbindung mit arbeitsrechtlichen Verbesserungen geben. Österreich liegt sowohl bei der tatsächlichen Arbeitszeit als auch bei der Produktivität im Spitzenfeld der EU. Unser Arbeitszeitgesetz ist eines der flexibelsten im europäischen Raum. Auf Basis bestehender Kollektivverträge kann die Arbeitszeit bereits jetzt bedarfsgerecht gestaltet werden. So wäre zum Beispiel im Handel die 4-Tage-Woche möglich, bei einer täglichen Arbeitszeit von 10 Stunden. Andere Kollektivverträge sehen Arbeitszeitmodelle vor, damit genau zu Spitzenzeiten länger gearbeitet werden kann 

In Österreich werden pro Jahr über 270 Millionen Überstunden geleistet. Wobei die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei rund 42 Stunden liegt. Damit gehört Österreich zu den Ländern mit den längsten Arbeitszeiten in Europa! Während viele Beschäftigte unter langen Arbeitszeiten leiden, steigt gleichzeitig die Arbeitslosigkeit. In Vorarlberger haben aktuell 11606 Menschen überhaupt keinen Arbeitsplatz. Nach Vorstellungen der Industriellenvereinigung und der ÖVP sollen die Arbeitsplatzbesitzer noch mehr arbeiten während sehr viele Menschen überhaupt nicht arbeiten können oder dürfen.
Arbeitsvolumen und Arbeitszeit gehören gerechter verteilt. Für uns ist eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit nur dann vorstellbar, wenn es unter dem Strich zu keiner Erhöhung der Jahresarbeitszeit und zu mehr selbstbestimmter Freizeit der ArbeitnehmerInnen führt. Eine Vielzahl von Studien belegen übrigens, dass eine tägliche Arbeitszeit von 12 Stunden weder produktiv noch gesundheitsfördernd ist! 

Was wir brauchen sind intelligente Arbeitszeitmodelle, welche mehr Beschäftigung sowie Raum für Familienleben und Gesundheit schaffen. Die Sozialpartner sollen in der Frage der Arbeitszeit zu einer für alle zufriedenstellende Lösung kommen. Alleingänge der Wirtschaft kann und darf es da mit Sicherheit nicht geben.

Die 177. Vollversammlung der AK-Vorarlberg fordert die Bundesregierung insbesondere das Sozialministerium auf, sich gegen eine Erhöhung der gesetzliche Höchstarbeitszeit ohne Überstundenzuschlag von 12 Stunden pro Tag auszusprechen und gleichzeitig mit Vertretern der Wirtschaft über Arbeitszeitregelungen, die einerseits die Notwendigkeit der Wirtschaft aber auch die Schutzinteressen der Arbeitnehmer abdecken nachzudenken und umzusetzen.