FA-Rösch: “Arbeitszeitflexibilisierung” führt zur schleichenden Aushöhlung unseres Arbeitnehmerschutzes

Wieder einen neuerlicher Versuch auf dem Rücken der Arbeitnehmer den Unternehmern in die Hände zu spielen. Das so schön klingende Schlagwort „Arbeitszeitflexibilisierung“ wird wieder einmal ins Treffen geführt, diesmal aber nicht von Minister Stöger, sondern von den Sozialpartnern, da die Regierung den Ball der “Verhandlung und Ausarbeitung” bis Ende Juni an diese weitergegeben hat.

Unternehmer sind der Ansicht, dass bei Bedarf, sprich Auftragsspitzen im Unternehmen, dieses die maximale Tages-Arbeitszeit von 10 auf 12 Stunden erhöhen können soll. “Wie dies aber in der Praxis für die Arbeitnehmer aussehen soll, darüber machen sich die Unternehmensvertreter wohl kaum Gedanken,”, kritisiert der Obmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer Bundesrat Bernhard Rösch. Ein Beispiel bringt Rösch auch gleich: “Wie sollen Arbeitnehmer mit Kindern dies umsetzen, denn die Kinderbetreuungsstätten haben nicht dann und wann mal 12 Stunden geöffnet”, und Rösch weiter,”ebenso stellt sich die Frage, wie und wann die Arbeitnehmer ihre Erholungs- und Freizeit in Anspruch nehmen sollen. Wir wissen um die Burn-out-Problematik mit stetig steigender Arbeitsverdichtung.”

Immer grösser sind die Forderungen und Aufgaben die an einen Arbeitnehmer gestellt werden, immer erreichbarer, auch in der Freizeit/im Urlaub soll er aber gleichzeitig sein. Von dringend benötigten Erholungsphasen keine Spur mehr, warnt der Arbeitnehmervertreter. “Mit solchen Ideen wird nicht nur versucht, die Arbeitnehmerrechte in Österreich sukzessive auszuhöhlen, sondern man erhöht auch den Druck auf Mitarbeiter”, ist sich Rösch sicher. “Wie ernst kann man die Äußerung des ÖGB-Chefs nehmen, dass die 12 Stunden Anordnung auch ein Verweigerungsrecht der Mitarbeiter beinhalten soll”, fragt der Obmann. Denn Rösch fragt sich, welcher Mitarbeiter sich weigern wird, solch einer Anordnung nachzukommen, wenn doch dann sein Arbeitsplatz auf dem Spiel stehe?

Nicht zu vergessen ist auch das Thema Überstunden. “Wie wird die Wirtschaft den entstandenen Kaufkraftverlust durch fehlende Überstunden-Zahlungen verkraften. Die erwirtschafteten Überstundenzuschläge belaufen sich auf eine jährliche Summe von etwa 1,5 Mio Euro. Geld, welches den Arbeitnehmern dann fehlt, weil sie die Überstunden in dieser Form nicht mehr leisten”, gibt Rösch zu bendenken. “Die 12-Stunden Arbeitszeit gibt es für einige Berufsgruppen ja bereits, aber dies soll nicht die Regel werden, daher ist es enorm wichtig, dass auch der rote Arbeiterkammer-Chef, der auch bei den Verhandlungen dabei sein wird, sich ohne Abstiche für die Arbeitnehmer einsetzt und sich nicht seiner roten Parteimacht beugt”, hofft Rösch abschließend.