Initiative gegen Lebensmittelverschwendung

ANTRAG 7

Initiative gegen Lebensmittelverschwendung

an die 168. Tagung der Vollversammlung der Kammer

für Arbeiter und Angestellte für Wien

Die 168. Tagung der Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien beschließt, sich dafür einzusetzen, dass die Bundesregierung gemeinsam mit dem Bundeministern für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz sowie für Gesundheit und Frauen einen Maßnahmenplan erstellt, der folgende Punkte umfasst, die auf der Grundlage des Lageberichts zu Lebensmittelabfällen und –verlusten in Österreich fußt:

 

  • Erstellung einer nationalen Strategie mit dem Ziel die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren.
  • Definition klarer politischer Zuständigkeiten.
  • Schaffung einer nationalen Koordinierungsstelle.
  • Schaffung von Reduktionszielen für alle betroffenen Akteure der Wertschöpfungskette.
  • Durchforstung aller Gesetze und Fördersysteme nach dem Prinzip „Vermeiden vor Reduktion vor Weitergabe und vor Verwertung“.
  • Schaffung einer mittel- bis langfristigen, flächendeckenden  Datenerhebung
  • Jährlicher Bericht zur Einhaltung der Reduktionsziele.
  • EU-weite Initiative der EU-Agrarminister bei der Erarbeitung einer Liste von  Lebensmittel, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) benötigen.
  • Handel und Produzenten müssen den Ist-Zustand ihrer Lebensmittelabfalldaten erhaben und veröffentlichen.
  • Weiters muss der Handel sein Potential zur Weitergabe von genießbaren Lebensmitteln an soziale Einrichtungen erheben und veröffentlichen.
  • Das gleiche gilt für die lebensmittelproduzierende Industrie.
  • Datenerhebung auch in der Landwirtschaft inkl. Nutztierhaltung.
  • Genaue Analyse von Marktschranken, die Obst und Gemüse aufgrund ästhetischer Standards vom Markt fernhalten (Qualitätskriterien Handel, gesetzliche Vorgaben) und rasches Setzen von geeigneten Maßnahmen
  • Aktualisierung des Österreichischen Aktionsplans inkl. der Erstellung einer nationalen Strategie gegen Lebensmittelverschwendung unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette.“

Begründung:

Eine Studie des Ökologie-Instituts im Auftrag von WWF Österreich & MUTTER ERDE stellen in einem Lagebericht zu Lebensmittelabfällen und –verlusten in Österreich folgende Fakten dar:

 

Lebensmittelabfälle und –verluste entstehen im Handel, in privaten Haushalten und in der Außer-Haus-Verpflegung, aber auch in der Landwirtschaft (Überproduktion, Einackern ganzer Produktionen zum Preiserhalt), Verarbeitung und Produktion werden Lebensmittel weggeworfen bzw. gehen verloren. Lebensmittelabfälle werden von verschiedenen, entlang der Wertschöpfungskette prozessual einander nachgelagerte Prozesse beeinflusst, wobei eine exakte Abgrenzung der Wertschöpfungsketten nicht immer möglich und Überschneidungen zwischen den einzelnen Bereichen zu berücksichtigen sind. Nach heutigem Wissensstand sind für Österreich derzeit folgenden Zahlen zu Lebensmittelabfällen und-verlusten entlang der Wertschöpfungskette verfügbar:

 

Summe der Lebensmittelabfälle und Lebensmittelverluste allein aus Handel, Außer-Haus-Verpflegung und Haushalten(= ohne Daten aus der Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und dem Großhandel; ohne Daten im Haushalt zur Gartenkompostierung, Verfütterung oder Entsorgung über den Kanal) : 756.700 Tonnen/Jahr an vermeidbaren und nicht vermeidbaren Lebensmittelabfällen, – davon 491.000 Tonnen/Jahr als vermeidbare Lebensmittelabfälle.

 

Die Studie leitet folgende Handlungsempfehlungen daraus ab:

 

Der Österreichische Aktionsplan „Lebensmittel sind kostbar“ sollte aktualisiert werden und eine nationale Strategie gegen Lebensmittelverschwendung unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette sollte unter Einbindung der relevanten Akteure erarbeitet werden. Um das umzusetzen benötigt es dringend einer klaren und ressortübergreifenden Aufteilung der Verantwortungsbereiche sowie ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen um diese Strategie voranzutreiben.

 

Siehe dazu:

Lagebericht zu Lebensmittelabfällen und – verlusten in Österreich, Autoren: DI Christian Pladerer Mag. Gabi Bernhofer DI Maria Kalleitner-Huber DI Philipp Hietler

Herausgeber: WWF Österreich MUTTER ERDE Wien, März 2016

 

http://www.wwf.at/de/view/files/download/showDownload/?tool=12&feld=download&sprach_connect=3069